Kundenportrait: Zu Besuch bei der LMG Borstel-Bockhop

Eine Gemeinschaft mit Tradition

Direkt an der B214 gelegen, zwischen dem Naturpark Wildeshauser Geest und dem Steinhuder Meer, befahren wir den kleinen Ort Borstel-Bockhop. Ungefähr in der Mitte zwischen Bremen und Minden liegt Borstel – eine kleine Gemeinde mit ländlicher Struktur und vier Ortsteilen. Auf rund 3.079 ha Gemeindefläche, wovon ein Großteil aus Hochmoorflächen besteht und teils unter Naturschutz steht, leben rund 1250 Einwohner.

An der Osterheide geht es zwischen Pferdeweiden und Maisfeldern entlang zum Standort der Landwirtschaftlichen Maschinengenossenschaft Borstel-Bockhop. Vor der großen Maschinenhalle mit angrenzendem Bürogebäude steht schon der Häcksler bereit. Alles deutet daraufhin, dass die Maisernte kurz bevorsteht. Auch Hartwig Rümper, Vorstand der Genossenschaft, hat nach diesem Freitag vorerst nicht mehr viel Zeit, denn „bald beginnt der Ausnahmezustand wieder“, wie Rümper es nennt. 

 

Geschichte

Die ländliche Genossenschaft blickt auf 78 Jahre Geschichte zurück. Es waren schwere Zeiten, mitten im 2. Weltkrieg, denn die Kriegsjahre stellten die Landwirtschaft auch an diesem Ort vor schwerste Herausforderungen. Arbeitskräfte und Zugkräfte wurden immer knapper. Ebenfalls durch den Personalmangel bedingt brach die Industrie in allen Feldern ein und so ging die Herstellung von Landmaschinen um rund 50 Prozent zurück. Fehlende Hände und fehlende Mechanisierung führten zu einer Krisenzeit. So kamen einige Landwirte zusammen und eines Tages war die Idee schließlich geboren: Am 28. August 1941 gründeten 14 Landwirte die Landwirtschaftliche Genossenschaft Borstel-Bockhop. Die 14 Gründungsmitglieder bewirtschafteten zu dieser Zeit eine Getreideanbaufläche von 62 Hektar. In der Satzung wurde als Unternehmenszweck „das Dreschen des Getreides der Mitglieder mit der Dreschmaschine“ bestimmt. Der Zweck hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und erweitert. Der stetig wachsende Maschinenpark spiegelt diesen Wandel wieder. 1973 wurde die erste Maschinenhalle und 1980 eine weitere gebaut. Neben einer eigenen Werkstatt kamen auch Büroräume, sowie ein Aufenthaltsraum dazu. Auch die Mitgliederanzahl wuchs in den ersten Jahren stetig mit und so konnte die Genossenschaft zum 50-jährigen Jubiläum knapp 100 Mitglieder verzeichnen. Doch der Strukturwandel in der Landwirtschaft hinterlässt natürlich auch bei der LMG seine Spuren. Zum heutigen Zeitpunkt sind es  zwar nur noch 75 Mitglieder, diese halten der LMG aber beständig Ihre Treue. Einige Mitglieder sind selbst nicht mehr in der Landwirtschaft tätig, unterstützen die Genossenschaft aber weiterhin.

 

Das oberste Ziel der „Bockhoper“, wie sie im Umfeld gerne genannt werden, klingt wie ein Einfaches: alle Mitglieder sollen zufrieden sein. Hartwig Rümper erzählt: „Wachstum ist nicht alles. Es muss Ende des Jahres einfach eine runde Sache sein, die Mitarbeiter müssen gehalten werden und die Mitglieder sollen zufrieden sein. Es ist ein Geben und Nehmen in unserer Gemeinschaft und wir haben wirklich starke, zukunftsfähige Mitgliederbetriebe, die gut aufgestellt sind“. Das dieses Konzept in unserer heutigen Zeit Bestand hat, ist sicher selten geworden und ein Stück weit auch ein Generationenproblem. Wenige möchten noch Verantwortung in Vorständen übernehmen und der Zusammenhalt sei schwieriger geworden. In Borstel-Bockhop ist die Welt noch in Ordnung, denn Rümper sieht all diese Probleme in seiner Genossenschaft keines Wegs: „Natürlich gab es Mitglieder und Aufsichtsräte, die das Große und Ganze nicht gesehen haben, die mehr Landwirt waren als Geschäftsmann. Hier kam es in den vielen Jahren Genossenschaftsgeschichte sicher das ein oder andere Mal zu Interessenkonflikten. Aber Nachwuchssorgen haben wir wahrlich keine.“ Den „Bockhoper Genossen“ ist man offensichtlich schon aus Tradition verbunden, denn zwei der aktuellen Vorstandsmitglieder sind Söhne von ehemaligen Vorstandsmitgliedern, die den Gedanken der Genossenschaft
erfolgreich weiterführen. Insgesamt sind Vorstand und Aufsichtsrat trotz langer Tradition in keiner Weise veraltet. Die Mitglieder sind zwischen 30 und 62 Jahren alt und vertreten die Interessen in einem breiten Schnitt.

 

Aktuelle Situation

Als Spitze des Vorstands engagiert sich seit 1998 Hartwig Rümper. Zuvor hatte Wilfried Brinkmann 30 Jahre lang den Vorsitz inne. Aus einer eigentlichen Übergangslösung wurde eine über 20-jährige Tätigkeit, in der er erfolgreich die Geschicke der Genossenschaft lenkt. Der gelernte Landmaschinentechniker, der auf dem heimischen Hof nebenberuflich Landwirtschaft betrieb, war auf der Suche nach Arbeit und stieg so Ende der 90er Jahre als Angestellter ein. Gemeinsam mit dem damaligen Geschäftsführer Horst Schweers bewältigte er die täglichen Aufgaben auf dem Feld und in der Verwaltung. „Irgendwie bin ich dann einfach geblieben, lernte von Horst viele wertvolle Dinge und übernahm schließlich den Vorstandsvorsitz.“, erinnert sich Rümper.

»In der Saison sitze ich selbst auf der Maschine« – Hartwig Rümper

Horst Schweers war Bänker, hatte die Zahlen immer im Blick und brachte die LMG in die schwarze Zahlen. „Als Horst im Büro ausschied, brauchten wir Unterstützung und die fanden wir in seiner Schwiegertochter Sonja, die fortan alle anfallenden Büroarbeiten erledigte. In der Saison sitze ich selbst auf der Maschine“, führt Hartwig Rümper aus. Unterstützt werden die Zwei von einem weiteren festangestellten Mitarbeiter und in Spitzenzeiten von Aushilfen. Das eingespielte Team bietet für die Mitgliedsbetriebe im Umkreis von ca. 30km vom Pflanzenschutz, über das Dreschen von Getreide und Raps bis zum Mais legen, Stroh bergen und Gras silieren alle landwirtschaftlichen Dienstleistungen an.

 

Mehrwert

Sowohl das breite Leistungsspektrum als auch der moderne Maschinenpark weisen auf die zukunftsorientierte Arbeitsweise hin. So auch im Januar 2012, als Rümper eine Veranstaltung des Lohnunternehmerverbands besuchte, auf der neuste Techniken präsentiert wurden. „Das war alles schön und gut. Selbstfahrer, Kontrollsysteme etc. – aber ich dachte schon damals, dass ich eigentlich etwas fürs Büro bräuchte. Auf der Veranstaltung kam ich im Dialog mit Kollegen schließlich auf ein junges Softwareunternehmen und nahm noch am selben Tag Kontakt auf.“, erinnert sich Rümper. Das besagte Softwareunternehmen war die betriko GmbH, die sich im Kerngeschäft auf Betriebssoftware für Lohnunternehmen und große Ackerbaubetriebe konzentriert. Hartwig Rümper machte kurzen Prozess: „Nur wenige Tage nach der ersten Kontaktaufnahme saß ich im Kalletal, um das Unternehmen und die Software AGRARMONITOR bei einem Frühstück kennenzulernen. Nicht nur die Funktionen überzeugten mich, sondern vor allem auch der lockere, bodenständige Umgang. Schon auf der Rückfahrt habe ich mich für die Software entschieden. Da allerdings alle Entscheidungen in der Genossenschaft zusammen getroffen  werden, musste ich erst noch mit den Kollegen sprechen.“ Der Vorstand und Aufsichtsrat gaben jedoch grünes Licht, sodass die LMG durch die Einführung der Software zum Februar des gleichen Jahres noch mal einen großen Sprung im Büro machen konnte.  Sonja Schweers, die zwei Nachmittage in der Woche für die Abrechnung im Büro zuständig ist, erinnert sich an die Zeit vor AGRARMONITOR: „Früher hatten wir durchschreibende Arbeitszettel, die waren kleiner als ein Kellnerblock und entsprechend schwer lesbar.“

»Früher waren Rückfragen zu Aufträgen immer schwierig zu beantworten. Heute reicht ein Klick in
AGRARMONITOR
« – Hartwig Rümper

Diese Durchschriften riss Schweers ab, sortierte sie in alphabetischer Reihenfolge und arbeitete sie später ab. Zettel gingen verloren, Positionen konnten nicht entziffert werden und Rückfragen dauerten nach der Suche in großen Ordnern entsprechend länger. „Früher waren Rückfragen zu Aufträgen immer schwierig zu beantworten. Heute reicht ein Klick in
AGRARMONITOR und ich kann unseren Mitgliedern alle Informationen zu einem Auftrag liefern. Ich weiß genau, wann welcher Mitarbeiter auf welchem Schlag war, welche Leistung durchgeführt und welche Menge ausgebracht wurde“, resümiert Hartwig Rümper. Als Ansprechpartner und erste Anlaufstelle aller Mitglieder für ihn ein ausschlaggebendes Agrument für die Software. Aber auch die Ackerschlagkartei war für ihn ein Hauptgrund sich für die Software zu entscheiden. Während in der Vergangenheit mühsam Ackerschläge von handschriftlichen Zetteln aufgenommen wurden, werden die Flächen heute bequem und einfach direkt aus dem Flächenantragsprogramm importiert. Ergänzt durch Informationen bezüglich der Frucht, den Feldeinfahrten und möglichen Markierungen, wird die Funktion für Rümper zu einem wahren „Wunderwerkzeug“. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit dem Steuerbüro, sowie die regelmäßige Prüfung des Genossenschaft Verbands, die alle zwei Jahre stattfindet, durch AGRARMONITOR vereinfacht worden. „Wir können ganz einfach und mit wenigen Klicks super Auswertungen erstellen. Auch dem Vorstand und dem Aufsichtsrat gegenüber sind wir dadurch noch transparenter geworden. Alle Kosten sind auf einen Blick zu sehen und die Mitglieder können nachvollziehen, in welchen Bereichen welche Kosten entstanden sind.“, erläutert der Vorstandsvorsitzende.

»Es muss Ende des Jahres einfach eine runde Sache sein. Es ist ein Geben und Nehmen in unserer Gemeinschaft und wir haben wirklich starke, zukunftsfähige Mitgliederbetriebe.« – Hartwig Rümper

Transparenz ist für Hartwig Rümper ein großes Thema, denn das oberste Ziel der „Bockhoper Genossen“ wird er nicht müde zu betonen: „Wir sind für die Mitglieder da.“ Und so fallen seine Zukunftsvisionen weniger wirtschaftlich, sondern vor allem ideell aus: „Natürlich möchten wir weiterhin schwarze Zahlen schreiben, aber vor allem möchten wir unseren Kundenstamm halten und dabei alle zufrieden sein. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir ein Geschäft unter freiem Himmel betreiben.“
Das ehrt Rümper, der auch in schwierigen Zeiten immer das Wohl der Gemeinschaft im Blick hat, der keine Million gewinnen, sondern ein funktionierendes, von Werten geprägtes System der landwirtschaftlichen Genossenschaft aufrechterhalten möchte.