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Landwirtschaftliche Saisonarbeit

Kurzfristige Beschäftigung 

Saisonarbeitskräfte sind für viele landwirtschaftliche Betriebe unverzichtbar. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag bei der Ernte, der Pflege von Kulturen und der Bewirtschaftung von Sonderkulturen, die nur zu bestimmten Zeiten des Jahres anfallen. Gerade für diese zeitlich begrenzten Aufgaben ist die kurzfristige Beschäftigung häufig die ideale Lösung. 

Die kurzfristige Beschäftigung 

Die kurzfristige Beschäftigung ist im deutschen Arbeitsrecht klar definiert. Sie unterscheidet sich von anderen Beschäftigungsformen wie Minijobs, Midijobs oder regulär sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen. Zentrale Merkmale sind die Befristung auf maximal drei Monate beziehungsweise 70 Arbeitstage im Jahr, die Geringfügigkeit spielt dabei keine entscheidende Rolle. Voraussetzung ist zudem, dass die Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt wird.

Für 2026 wird eine Sonderregelung für Beschäftigte in einem landwirtschaftlichen Betrieb diskutiert. Für diese soll dann eine Grenze von 90 Arbeitstagen oder 15 Wochen gelten. 

Unter bestimmten Voraussetzungen besteht keine Sozialversicherungspflicht. Typische Einsatzbereiche in der Landwirtschaft sind die Ernte saisonaler Früchte, die Pflege von Pflanzenbeständen oder die Arbeit in Sonderkulturen.

Voraussetzungen und Rechtliches

Für die kurzfristige Beschäftigung gelten bestimmte persönliche und rechtliche Voraussetzungen. Saisonarbeitskräfte können beispielsweise Schüler, Studenten, Rentner oder ausländische Arbeitskräfte sein. Arbeitszeitregelungen, Höchstarbeitszeiten, Ruhezeiten sowie Sonn- und Feiertagsarbeit müssen beachtet werden. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist unter den üblichen Bedingungen meist nicht vorgesehen. Besonders bei ausländischen Arbeitskräften sind Aspekte wie Anmeldung, Aufenthaltsstatus und gegebenenfalls die A1-Bescheinigung zu berücksichtigen (die A1-Bescheinigung ist ein offizieller Nachweis, dass eine Person bei vorübergehender Arbeit im EU-Ausland (EU, EWR, Schweiz, UK) weiterhin dem deutschen Sozialversicherungssystem angehört und somit keine doppelten Beiträge zahlen muss).

Anmeldung, Abgaben und Meldungen

Die Anmeldung der Saisonarbeitskräfte erfolgt bei der Minijob-Zentrale. Lohnsteuer kann entweder pauschal oder individuell abgerechnet werden. Zudem müssen Umlagen wie U1, U2 oder die Insolvenzgeldumlage abgeführt werden. Arbeitsverträge, Arbeitszeitnachweise und Aufenthaltsdokumente sind zu dokumentieren, und elektronische Meldeverfahren über das SV-Meldeportal erleichtern die Meldung und Verwaltung.

Herausforderungen und Lösungen 

In der Praxis ergeben sich verschiedene Herausforderungen. Bürokratische Hürden bei Anmeldung und Dokumentation erfordern sorgfältige Vorbereitung. Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede können die Integration erschweren. Auch die Unterbringung und Versorgung der Saisonarbeitskräfte sowie die Qualitätssicherung bei der Arbeit, etwa durch Schulungen und Einweisungen, sind entscheidend. Betriebsleiter sollten zudem auf Kontrollen durch den Zoll vorbereitet sein, da die Finanzkontrolle Schwarzarbeit stichprobenartige Prüfungen durchführt.

Zukunftsperspektiven der Saisonarbeit

Die Zukunft der Saisonarbeit steht vor Veränderungen. Fachkräftemangel und der Rückgang verfügbarer Saisonarbeitskräfte machen eine gezielte Personalplanung erforderlich. Maschinen und Automatisierung können die Arbeit ergänzen, während die Digitalisierung der Personalverwaltung, etwa durch digitale Zeiterfassung und Online-Meldungen, den Verwaltungsaufwand reduziert. Gesetzliche Entwicklungen wie Änderungen im Arbeitszeitgesetz oder in der Sozialversicherung sollten kontinuierlich beobachtet werden.

Praxisbeispiel: Saisonarbeitskräfte im Obstbaubetrieb

In einem mittelgroßen Obstbaubetrieb beginnt die Saisonplanung bereits Monate vor der eigentlichen Ernte. Zunächst wird der genaue Personalbedarf ermittelt, abgestimmt auf die voraussichtliche Erntemenge und die Arbeitsintensität der jeweiligen Kulturen. Dafür nutzt man am besten eine Managementsoftware wie AGRARMONITOR. Dabei wird berücksichtigt, welche Arbeiten von festangestellten Mitarbeitern übernommen werden können und welche Aufgaben auf Saisonkräfte entfallen. Eine frühzeitige Rekrutierung ist entscheidend, um ausreichend motivierte Helfer zu gewinnen und Engpässe zu vermeiden.

Für die Suche nach geeigneten Arbeitskräften arbeitet der Betrieb in der Regel. eng mit Vermittlungsagenturen zusammen. Diese Agenturen bringen qualifizierte Helfer aus dem In- und Ausland, klären rechtliche Voraussetzungen und unterstützen bei der Organisation von Unterkunft und Anreise. Auch die Zusammenarbeit mit benachbarten Betrieben hat sich bewährt, um die Rekrutierung gemeinsam zu koordinieren und gegenseitige Engpässe auszugleichen.

Die Anmeldung und Integration der Saisonkräfte erfordert sorgfältige Vorbereitung. In der Praxis treten häufig Herausforderungen auf, etwa bei der Meldung an die Minijob-Zentrale, der Ausstellung von Arbeitsverträgen oder bei der Einhaltung von Arbeitszeit- und Sicherheitsvorschriften. Sprachbarrieren können die Einweisung erschweren. Der Betrieb setzt deshalb bestenfalls auf strukturierte Einarbeitung, Übersetzungsmaterial und erfahrene Betreuer, die den neuen Mitarbeitern den Einstieg erleichtern. Schulungen zu Arbeitssicherheit und den betrieblichen Abläufen stellen sicher, dass die Arbeit reibungslos und effizient durchgeführt wird.

Der wirtschaftliche Nutzen zeigt sich deutlich: Durch die gezielte Planung und Betreuung können Erntearbeiten termingerecht abgeschlossen werden, Verluste durch unzureichende Arbeitskräfte werden minimiert und die Qualität der geernteten Früchte bleibt hoch. Gleichzeitig entsteht eine langfristige Bindung zu zuverlässigen Saisonarbeitskräften, die in den Folgejahren wiederkommen. Auf diese Weise wird die Saisonarbeit nicht nur planbar und effizient, sondern trägt nachhaltig zur Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs bei.

Fazit

Saisonarbeitskräfte können rechtssicher und effizient eingesetzt werden, wenn Betriebsleiter die wichtigsten Punkte beachten. Checklisten, Fristen (am besten in einer geeigneten Managementsoftware wie AGRARMONITOR integriert), und externe Beratung erleichtern die Organisation, während eine nachhaltige Personalstrategie die Mischung aus Maschinen, festangestellten Mitarbeitern und Saisonarbeit berücksichtigt. So kann die Landwirtschaft auch in einem sich wandelnden Umfeld erfolgreich und planbar bleiben.